Untersuchung aus Punktat

 Bei der Punktatuntersuchung ist es ganz wichtig, dass das Punktat nicht nur dem äusseren Anschein nach beurteilt wird, da nur etwa 50% aller Katzen mit Erguss an FIP erkrankt sind. 

Selbst wenn das Punktat aussieht wie ein  "FIP-typisches" Punktat (strohgelb bis bernsteinfarben) ist das KEIN Hinweis auf FIP!! Das Punktat kann bei anderen Krankheiten, die ebenfalls zu einem Erguss führen, ganz genauso aussehen. Andere Erguss-Ursachen können sein: malignes Lymphom, Herzinsuffizienz, bakterielle Serositis (umfasst z.B. Rippenfellentzündung, Bauchfellentzündung). Diese Entzündungen sind bakterieller Natur und dann mit Antibiotika behandelbar!

Rivalta-Probe

Die einfachste Möglichkeit, in der Praxis bei Katzen mit Erguss eine FIP mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nachzuweisen, ist die Rivalta-Probe. Sie erfordert weder aufwendige Geräte noch teure Reagenzien. Dazu wird ein Reagenzglas zu drei Vierteln mit destilliertem Wasser gefüllt, ein Tropfen Eisessig dazugegeben und vorsichtig gemischt. Dann gibt man einen Tropfen Punktat in die Lösung. Löst sich der Tropfen auf, ist die Probe negativ. Bleibt der Tropfen bestehen und schwebt langsam nach unten oder bleibt sogar an der Oberfläche hängen, ist die Probe positiv. Bei einem negativen Ergebnis ist die FIP mit grosser Sicherheit auszuschließen, bei einer positiven Rivalta-Probe handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um FIP.

 (Quelle: Katzenkrankheiten, 5. Auflage, Kraft/Dürr/Hartmann)

Aber auch hier gibt es wieder Ausnahmen: Katzen mit einer bakteriellen Bauchfellentzündung oder mit einem Tumor können in der Rivalta-Probe auch positiv sein. Ich selbst weiß von einem Fall, in dem die Katze positiv in der Rivalta-Probe war, aber nicht an FIP erkrankt war. Mit Antibiotika wurde sie wieder gesund.

Dennoch: Ist die Rivalta-Probe positiv, dann liegt die Sicherheit bei 84%. Bei einem negativen Ergebnis liegt die Aussagekraft bei 97%.

Zytologische Untersuchung

Zytologische Untersuchung bedeutet, daß die Flüssigkeit auf ihre verschiedenen Zellen hin untersucht wird. Bei der Untersuchung der Zellen liegt immer eine gemischte Population von Entzündungszellen vor. Man findet viele neutrophile Granulozyten, viele Fresszellen (Makrophagen), wenig Lymphozyten und andere Zellen ( ich führe sie nur der Form halber auf: polymorphkernige Zellen und Mesothelzellen).

Dieses Untersuchungsergebnis findet sich aber nicht nur bei FIP, sondern auch bei bakteriellen Infektionen oder Tumoren. Bei Infektionen oder Tumoren findet man aber meist entweder Bakterien, Pilze oder maligne Zellen. Diese sind bei FIP aber meist nicht vorzufinden.

Typisch für FIP ist eine hohe Konzentration von Eiweiß und Gamma-Globulinen. Weiterhin kann man auch eine hohe Aktivität des LDH nachweisen (300 IU/l). Auch die alpha-Amylase (Bauchspeicheldrüsenenzym) ist oftmals im Punktat erhöht, da sich die Bauchspeicheldrüse bei Katzen mit FIP häufig auch verändert. 

Weiterhin sollte eine Messung des Adenosin-Deaminase-Enzyms vorgenommen werden, da es im Punktat von Bedeutung ist. Ausgehend von Statistiken, ist das vermehrte Vorliegen dieses Enzyms um einiges höher bei Katzen mit Ergüssen, die von FIP herrühren, als bei Katzen, bei denen der Erguß eine andere Ursache hat. Trotzdem kann dieses Enzym auch bei bakteriellen Infektionen vermehrt im Punktat gefunden werden. Die bakterielle Infektion kann allerdings durch eine bakteriologische Untersuchung ausgeschlossen werden.

Immunfluoreszenztest (IFT)

Diese Art der Untersuchung gehört in die Kategorie "Direkter Erregernachweis" und ist dort auch nochmals aufgeführt.

Sollte die Katze wirklich an FIP erkrankt sein, ist bei positivem Befund der IFT die sicherste Methode in der Diagnostik. Ihre Aussagekraft im positiven Fall beträgt ca. 100%! Im negativen Fall beträgt sie allerdings nur ca. 57%.

Beweisend für FIP ist hier, wenn im Erguß der Antigen-Nachweis in den Fresszellen (Makrophagen) mittels immunhistochemischer Färbung nachgewiesen wird.

Meines Wissens ist der IFT zur Zeit nur an der Uniklinik in Gießen durchführbar. Der Tierarzt muß das Punktat also einsenden.

Für die Zytologische Untersuchung und für den IFT-Test gilt:

Die Zellen aus Punktat sind insgesamt sehr instabil und überstehen eine Lagerzeit und einen Transport meist nicht unbeschadet. Sie zerfallen teilweise schon nach 30 Minuten. Solltet Ihr die Tests also nicht in der Uni Gießen oder bei einem anderen gut ausgestatteten TA/Klinik durchführen lassen können, muß der TA das Punktat schonend zentrifugieren (anreichern) und aus dem Sediment einen Ausstrich machen und diesen Ausstrich zusätzlich zum Punktat einsenden. Aber selbst dann, sollte der Ausstrich und das Punktat nicht lange gelagert werden.

Antigen-Antikörper-Komplex-Untersuchung

Diese Art der Untersuchung gehört in die Kategorie "Direkter Erregernachweis" und ist dort auch nochmals aufgeführt.

Es ist nur schwer bis gar nicht möglich, das Virus im Erguß zu "isolieren" und somit nachzuweisen. Es gibt jedoch die Möglichkeit, nach viralen Antigenen (Antigene sind Substanzen im Körper, die für die Bildung von Antikörpern zuständig sind) im Körper zu suchen. Dies ist im Blut und im Punktat möglich. Ist ausreichend Flüssigkeit für ein Punktat vorhanden, dann kann man den Test mit der Flüssigkeit aus dem Punktat durchführen. Der Test nennt sich "KELISA" (kompetitiv enzyme-linked immunosorbent assay). Ist der Test positiv, hat er allerdings nur eine positive Aussagekraft von ca. 67%. Ist er negativ, dann liegt die Aussagekraft bei ca. 84%.

AGP-Level

Nach Dr. Addie liefert auch der sogenannte AGP-Level Aufschluß, bei dem Versuch, einen Ausbruch der FIP nachzuweisen.

Aber was ist "AGP"?

AGP bedeutet "saures Alpha-1-Glykoprotein" und es ist - wie der Name schon sagt - eine Form von Eiweiß. Es ist nicht zu verwechseln mit dem "Alpha-1-Glykoprotein". Beide Proteine gibt es. Sie unterschieden sich u.a. dadurch, daß das Alpha-1-Glykoprotein 13% Kohlenhydrate enthält, das sauere Alpha-1-Glykoprotein aber 41,4%. 

Zum sauren Alpha-1-Glykoprotein habe ich herausgefunden, daß es dafür in Deutschland einen Test speziell für die Katze gibt. Nach meinen Informationen ist es eine Art Schnelltest für die TA-Praxis - allerdings nur aus Serum - nicht aus Punktat!

http://www.biorepair.com/deutsch/produkte-akut-phase-proteine.htm

Bei FIP ist der AGP-Level erhöht.

Wenn jmd. hierzu (AGP-Test aus Punktat) näheres weiß, bin ich dankbar für eine Mitteilung im Gästebuch!

Zusammenfassend kann man sagen: Eine Untersuchung des Punktats ist - wenn ausreichende Untersuchungen durchgeführt wurden - meist aufschlußreicher als eine Blutuntersuchung. Da aber gerade im Hinblick der positiven Aussagekraft auch keine 100%ige Sicherheit gegeben ist, würde ich trotzdem zusätzlich immer noch noch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, des Bauchraums und einen Bluttest veranlassen. 

Im Fall von negativen Ergebnissen ist es jedoch recht eindeutig: dann ist davon auszugehen, daß es sich nicht um FIP handelt und weitere Untersuchungen - je nach gefundenen Zellen - durchgeführt werden müssen.

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