Fragen und Antworten

Ich habe eine Katze an FIP verloren, wird nun auch die Zweitkatze erkranken und kann ich noch etwas tun, um sie nun vor der Mutation des Virus zu schützen?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird bei der Zweitkatze das Virus nicht mutieren, denn es ist äusserst selten, dass in einem Haushalt zwei Katzen in Folge an FIP erkranken und sterben (es gibt natürlich leider Haushalte, in denen mehr als eine Katze an FIP erkrankt - meist liegt dies dann aber daran, dass noch eine andere schwere Erkrankung im Bestand vorliegt wie z.B. Leukose oder FIV).

Ob nun eine Katze gerade an FIP erkrankt ist oder nicht: Der allgemeine Forschungsstand sagt aus, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit lediglich das FCoV und nicht das mutierte Virus übertragen wird - entweder per Tröpfcheninfektion aber in der Hauptsache durch den Kot. Die Wissenschaftler sind noch nicht 100%ig sicher, aber es bleibt also eher eine minimale Wahrscheinlichkeit, dass das mutierte Virus übertragen wird. Prof. Dr. Hans Lutz sagte im Vortrag am 19.11.2003 am Paul Ehrlich Institut in Langen, dass diese Wahrscheinlichkeit so gut wie gar nicht vorhanden sei. In deren Augen ist es dann nicht das mutierte Virus sondern ein anderer Stamm der Coronaviren. Wäre die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des mutierten Virus sehr hoch, würde es wohl nur noch halb soviele Katzen auf der Welt geben.

Wir wissen ja nun, dass das FCoV meistens dann mutiert, wenn das Immunsystem der Katze geschwächt ist. Das muss ein Besitzer nicht einmal vorher merken. Und bis es der Besitzer merkt, liegt lt. Lutz das Ereignis meistens schon mehrere Wochen bis Monate zurück. Sei es nun ausgelöst durch schlimme Erkrankungen wie Leukose oder FIV, kann es ja bekanntlich auch jedweder Stress sein und dazu zählen auch unbedingt Impfungen z.B. gegen Schnupfen oder Seuche. Es gibt unendlich viele Stress-Situationen für eine Katze, alles was das Immunsystem durcheinander bringt. Gerade die Lymphozyten reagieren sofort auf Immunstimulanz oder Immunsuppression. Geraten die B- oder T-Zellen aus dem Gleichgewicht, kann dies zur Mutation des FCoV führen. Nicht jede Katze hat ein gleich gut ausgeprägtes Immunsystem.

Hat man nun eine Katze, bei der das FCoV mutiert, wird während dieser Phase das Virus millionenfach über den Kot ausgeschieden. Die mit im Haushalt lebenden Katzen werden nun also mit dem Viruskontakt überhäuft. Der Besitzer merkt ja nun erst Wochen oder Monate später dass eine FIP-Erkrankung vorliegt. Bis dahin können die anderen Katzen ja zwischendurch mal geimpft worden sein, haben vielleicht eine kleine Erkältung oder Stress gehabt und sind nun dadurch geschwächt. Bei einem kleinen Prozentsatz dieser Katzen mutiert nun leider auch bei ihnen das Virus. Da aber auch dieser Prozess wieder Wochen oder Monate dauern kann, stirbt diese Katze eben auch wieder um einiges später an FIP als die erstverstorbene Katze.

Das heisst aber nicht , dass das mutierte Virus übertragen wurde, sondern dass die Zweitkatze nur einfach nicht mit dem millionenfachen Kontakt "klar" gekommen ist.

Dagegen werden Besitzer niemals etwas tun können. Selbst wenn man mal etwas findet, was das Immunsystem genau dahingehend stärken könnte .... bis man es an der Erstkatze merkt, fand die Ausscheidung in hohem Maße ja bereits statt und bei der Zweitkatze kann es schon zur Mutation gekommen sein. Selbst wenn mal was gefunden wird, was man vorbeugend geben kann, wenn man herausfindet dass die Katze nun erstmal mit dem harmlosen FCoV in Kontakt kam, würde ich mir doch immer überlegen, ob ich einer noch jungen Mieze ihr Leben lang prophylaktisch irgendwelche Medikamente geben würde ... Schließlich liegt die Gefahr, dass eine Katze wirklich an FIP erkrankt "nur" bei 5% (also bei 5% aller mit dem FCoV infizierten Katzen mutiert das Virus). Einer Katze jedoch prophylaktisch ein Medikament zu geben und ihre Selbstheilungskräfte dadurch runter zu fahren, weil es eben von aussen unterstützt wird, würde ich mir von daher genau überlegen ....

Sollte die Zweitkatze nun schnellstmöglich gegen FIP geimpft werden?

Nein, auf gar keinen Fall. Wie in der vorangegangenen Frage bereits erklärt, ist die Zweitkatze mit hoher Wahrscheinlichkeit nun sowieso mit dem FCoV in Kontakt gekommen. Nun macht es überhaupt keinen Sinn, die Katze auch noch dem Impfstress auszusetzen. Ihr Immunsystem hat nun sowieso schon genug zu tun und die Impfung, wenn sie denn wirklich einen Schutz bietet was ich ja bezweifele, kann nun ja ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Im schlimmsten Fall kann sie nun absolut schaden.

Selbst wenn nun ein sofortiger Bluttest veranlasst wird, kann es sein, dass die Zweitkatze keinen Coronavirus-Antikörpertiter aufweist. Ich zitiere noch einmal den Text zum Thema Impfungen: Hierbei ist zu beachten, dass die Tests mit extremer Vorsicht interpretiert werden sollten. Die Menge nachweisbarer Antikörper gegen FCoV, die im Blut einer Katze zirkulieren, korreliert nicht mit dem evtl. Krankheitsbild. Sind keine Antikörper vorhanden, schließt das eine Infektion mit FCoV nicht aus (manchmal hat eine Katze soviel Antigen im Blut, dass alle Antikörper gebunden sind und keine freien Antikörper zum Nachweis übrig bleiben). Und das könnte bei der Zweitkatze der Fall sein, da sie ja einem enormen Virus-Druck ausgesetzt war, da die verstorbene Katze während der Mutationsphase millionenfach Viren ausgeschieden haben kann. Das bedeutet, dass ein "Null-Titer" eigentlich auch gar nichts aussagen kann und deshalb sollte man unbedingt von der Imfpung absehen.

Impfen bedeutet Stress und Stress sollte nun bei der Zweitkatze absolut vermieden werden (dazu gehören auch andere Impfungen wie Seuche/Schnupfen, Leukose oder Tollwut). Impfungen sollten nun generell abgewägt werden.

Wenn das Coronavirus im Körper der Katze zur gefährlichen Form mutiert ist, (durch Stress, oder warum auch immer) ist die erkrankte (oder auch NOCH nicht erkrankte) Katze dann Überträger/Ausscheider dieser gefährlichen Form der Viren?

Wie so vieles bei FIP ist dies auch noch nicht 100%ig bewiesen. Die Wissenschaftler gehen aber mit grosser Wahrscheinlichkeit davon aus, dass zwar während der Mutationsphase eine Katze gesteigert Viren ausscheidet über den Kot (heisst am Anfang sind es einigen Viren und kurz vor dem Ausbruch sind es Millionen von Viren), aber dass sich eine mit im Haushalt lebende Katze "nur" mit dem normalen Virus auseinandersetzt und nicht mit der mutierten Form.

Sicher ist, wenn man einer Katze Flüssigkeit aus dem Bauch entnehmen würde und dies einer andere Katze spritzt, bekommt sie dadurch auch die mutierten Viren und stirbt auch an FIP.

Aufgrund der Forschungen und Erfahrungen, dass in einem Haushalt fast niemals zwei Katzen wirklich an FIP sterben, kann man schon fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass sich eine mit im Haushalt lebende Katze zwar mit dem Coronavirus infiziert (und dann hoffentlich Antikörper bildet, wenn nicht, bedeutet das nämlich auch, dass das Immunsystem evtl. nicht gut genug funktioniert), aber nicht an dem mutierten Virus ansteckt.

Also ich persönlich hätte grosse Bauchschmerzen, wenn eine Katze an FIP gestorben ist und die anderen einen Nulltiter bei den Coronaviren hätte. Für mich würde das bedeuten, sie hat sich nicht damit auseinander gesetzt, das Immunsystem ist schwach und ich hätte in dem Fall viel grössere Angst sie zu verlieren (vielleicht nicht an FIP aber an einer anderen Erkrankung). Wobei man auch hier unterscheiden muss, wann die Blutuntersuchung erfolgte. Ich persönlich würde prophylaktisch den Titer bei der Zweitkatze sowieso nicht testen lassen, denn was soll ich dann mit dem Wissen machen?

Ab welchem Titer steigt das Risiko so an, dass man sagen kann, ein Ausbruch der FIP ist bei dem hohen Titer wahrscheinlicher?

Der Titer sagt ja erst mal einfach nur aus, dass die Katze einmal mit dem FCoV in Kontakt kam und dass das Immunsystem der Katze Antikörper gegen Coronaviren gebildet hat.

Die Höhe des Titers scheint mir nicht besonders aussagekräftig zu sein. Hoher Titer kann heissen: viele Coronaviren, aber auch: starkes Immunsystem. Über die Wahrscheinlichkeit, daß die Katze auch an FIP erkrankt, sich also die Mutation der Viren im Körper vollzieht, sagt der Titer in meinen Augen gar nichts aus (es sei denn, die Katze befindet sich gerade in der Mutationsphase).

Und wie hoch dieser Titer dann im besten Fall sein sollte? Ich weiss es nicht, wobei mein persönlicher "Traumtiter" bei 1:400 liegt, heisst, es wurden Antikörper gebildet aber das Immunsystem läuft nicht auf Hochtouren, um noch mehr Antikörper zu bilden. 

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