Krankheitsbild bei der feuchten Form

Der Text hier ist anfangs identisch mit dem Text bei der trockenen FIP und zwar weil sich die "trockene" FIP nur durch einige Symptome von der "nassen" FIP unterscheidet. Erst bei den Symptomen trenne ich den Text (ab dann ist die Schriftfarbe wieder schwarz):

Früher dachte man, daß es drei Formen der klinischen FIP gäbe: 

die nasse FIP (mit Erguß - fibrinöse Peritonitis - in Thorax (Brustkorb), Abdomen (Bauchraum) oder Perikard (Schutz, Gleithülle des Herzens), 

die trockene Form (nicht mit Erguß begleitet, sondern "granulomatösen" Veränderungen in den Organen, den Augen und im Zentralen Nervensystem),

die gemischte Form (sowohl Ergüße als auch Organveränderungen)

Irgendwann sprach man dann nur noch von der "trockenen" oder "nassen" Form, aber inzwischen hat sich herausgestellt, daß die Katzen immer mehr oder weniger einen Erguß aufweisen und daß immer auch Organveränderungen nachgewiesen werden können. 

Insofern ist der Ausdruck "trockene FIP" nicht mehr richtig. Die Krankheit kann nur mehr durch einen Erguß oder mehr durch Gewebsveränderungen begleitet werden.

Die Symptome bei FIP sind sehr verschieden, da eben auch fast alle Organe betroffen sein können (was die Diagnose wiederum erschwert). Vor allem sind oft die Nieren (am häufigsten), Leber, Darm, Bauchspeicheldrüse, Augen und das Zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen. Sie sind dann entzündlich verändert (eine Entzündung der Organe muß aber nicht gleichbedeutend mit FIP sein! und kann von der Symptomatik her genau gleich sein).

Ein Anzeichen für eine Infektionskrankheit (und das kann auch FIV oder FeLV sein, bei Erbrechen und Durchfall bitte auch an Katzenseuche denken) ist meist antibiotika-resistentes hohes Fieber, Freßunlust, Apathie, ein insgesamt gestörtes Allgemeinbefinden und Gewichtsverlust.

Ein zusätzliches Symptom bei der feuchten Form ist der Austritt von eiweißreicher Flüssigkeit, die eine hohe Anzahl von humoralen Überträgerstoffen (Entzündungsmediatoren) enthält. Der Erguß kann im Bauchraum und/oder im Brustraum und/oder im Bereich des Herzbeutels auftreten.

ACHTUNG:

Ich kann es nicht oft genug schreiben: Nur bei 50% aller Katzen mit Erguß und den obengenannten Symptomen ist FIP die Ursache der Erkrankung. Gebt Euch nicht anhand der Symptome und einiger Blutwerte mit der Aussage "FIP" zufrieden. Nachstehend deshalb noch einige Fakten:

Nur etwa 50% aller Katzen mit Erguss sind an FIP erkrankt. Andere Erguss-Ursachen können sein: malignes Lymphom, Herzinsuffizienz, bakterielle Serositis (umfasst z.B. Rippenfellentzündung, Bauchfellentzündung). Weiterhin können auch bei einer Pyometra
(Entzündung der Gebärmutter) Ergüsse auftreten.

Auch Krankheiten der Leber und Galle können zu einem Erguß führen. Gerade Erkrankungen der Leber/Galle sind bei Katzen sehr häufig zu finden und gerade bei Erkrankungen dieser Organe sind die Symptome und Blutwerte bei FIP zu verwechseln. An erster Stelle stehen hier die verschiedenen Formen der Cholangitis/Cholangiohepatitis. Bei all diesen Formen kann es zu einem Erguß kommen und man kann letztlich nur durch eine Biopsie des betroffenen Organs und durch den IFT-Test zwischen FIP und Cholangitis unterscheiden. Ich gehe hier nur auf zwei Formen näher ein, denn nur sie sind sehr häufig und sollten bei der Differentialdiagnose unbedingt Beachtung finden:

Eitrige Cholangitis/Cholangiohepatitis

Vorkommen:
 vorwiegend bei jungen Katzen bis zu einem halben Jahr oder bei Katzen über zehn Jahren

Symptome:
Fieber, Freßunlust, Apathie, ein insgesamt gestörtes Allgemeinbefinden und Gewichtsverlust, Ikterus

Blutwerte:
Bilirubin starkt erhöht (oft über 10 mg/dl)
Leukozytose mit Neutrophilie und Kernlinksverschiebung
Erhöhung der Leberenzyme

Lymphatische oder nichteitrige Cholangitis/Cholangiohepatitis

Vorkommen
vorwiegend bei jungen Katzen bis zu vier Jahren, aber auch bei Katzen zwischen 6 Monaten bis zu neun Jahren

Symptome:

Fieber, Freßunlust, Apathie, ein insgesamt gestörtes Allgemeinbefinden und Gewichtsverlust, Ikterus

Blutwerte:

Bilirubin erhöht (bis 5 mg/dl)
Leukozytose mit Neutrophilie
relative und absolute Lymphozytose
Gesamteiweiß erhöht
Gamma-Globuline erheblich erhöht
leicht erniedrigtes Albumin
Erhöhung der Leberenzyme
dadurch bedingt auch ein niedriger A/G-Quotient

Lymphatische periportale Hepatitis

Dieses Krankheitsbild ähnelt der lymphatischen Cholangitis.

Sklerosierende Cholangitis/Cholangiohepatitis

Diese Krankheit ist sehr selten bei Katzen und betrifft vorwiegend ältere Katzen.

Bei vielen Krankheiten kommt es durch Bakterien zu einem Eiterherd im Körper und es entsteht eine eitrige Flüssigkeit.

Folgende Krankheiten durch einen Erguß begleitet werden:

Pasteurellen (und Pasteurellen haben fast alle Katzen)
Katzenschnupfenkomplex

Kraft/Dürr/Hartmann schreiben dazu im Buch Katzenkrankheiten:

Das Leiden wird in Verbindung mit dem Katzenschnupfenkomplex beschrieben
.... Oft sind es Eiterreger, die offenbar durch penetrierende Wunden (die bei Vorstellung beim TA schon geheilt sind) durch die Brustwand oder den Respirationstrakt erreichen; es liegen meist Bakterien vor, die als "normale Keimflora" in der Mundhöhle der Katze auftreten, besonders häufig aber Pasteurellen .....

Das Punktat ist eitrig bis bräunlich, trüb, weist ein hohes spezifisches Gewicht auf, die Eiweißproben sind stark positiv, im Ausstrich werden massenhaft neutrophile Granulozyten, Erythrozyten und weniger zahlreich Markrophagen (Fresszellen) gefunden. Je nach Ursache kann der Erreger identifiziert werden.

Natürlich sind auch Entzündungen der Milz, der Bauchspeicheldrüse oder
des Darms als Verursacher möglich. Nicht selten sind es Fremdkörper die
die Darmwand beschädigt haben und so eine Entzündung des Darms auslösen
(der Fremdkörper kann schon längst weg sein). Auch hier kann es dann zu einem eitrigen Erguß kommen.

Bei Krankheiten mit Erguß sollten folgende Untersuchungen zwingend erfolgen:

1. RÖNTGEN
Abdomen und Thorax

2. Sonographie (Ultraschall)
Abdomen und Herz (Doppler-Echokardiographie)

3. Blut (erst an 3. Stelle !!) und Blutgerinnung

4. Bauchhöhlenergußanalyse

5. Harnuntersuchung

6. Weiterführende Untersuchungen wie z.B. Biopsie

Man sollte sich bewußt sein, daß die wichtigsten und häufigsten Erkrankungen bei jungen Katzen vielseitig sind und mindestens 3 davon dieselben Symptome wie eine FIP auslösen können:

1. Katzenschnupfen
2. FeLV/FIV
3. Gastrointestinale Fremdkörper
4. Darmparasiten
5. Invagination (Einstülpung eines Darmabschnittes)
6. Hernien (Eingeweidebruch - ja nach Lagerung kann das tödlich sein)
7. Infektiöse Hauterkrankungen
8. Portosystemischer Shunt
(http://www.lebershunt.de/html/body_lebershunt.html)

Anhand dieser Fakten sollte eigentlich klar sein, dass Fieber, schlechte Blutwerte und ein Erguss wirklich nicht unbedingt für FIP sprechen.

Ich kann deshalb nur nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, daß eine eingehende Untersuchung wirklich absolut notwendig ist. Am "kostengünstigen" und am stressfreiesten für die Katze ist es, wenn dies alles auf einmal und an einem Ort stattfinden kann.

Hat Eure Katze ähnliche Symptome und nach der ersten Antibiotikaspritze immer noch Fieber - sucht SOFORT - spätestens aber wenn auch die zweite Antibiotikaspritze keine Besserung bringt - eine gute Tierklinik oder einen gut ausgestatten Tierarzt auf und verschwendet keine Zeit. Es könnte lebensrettend für Eure Katze sein! Wartet nicht zulange - ihr habt die Verantwortung für Eure Katze übernommen!

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